„Wenn die Pfarrerin lesbisch ist …“

Sächsische Evangelische tun es sich schwer

Mit dem Beschluss der EKD zu einem einheitlichen Pfarrdienstgesetz vom November 2010 können verpartnerte Pfarrerinnen und Pfarrer wie ihre heterosexuell verheirateten Kollegen im Pfarrhaus zusammenleben. Über die Umsetzung dieses Gesetzes kann jedoch jede Landeskirche selbst entscheiden. So haben etwa die Kirchen in Mitteldeutschland und Bayern vor rund einem Jahr homosexuellen Pfarrerinnen und Pfarrern erlaubt, mit ihren gleichgeschlechtlichen Partnern im Pfarrhaus zu wohnen.

In Sachsen erhitzen homosexuelle Partnerschaften die Gemüter evangelischer Gemeinden dennoch weiterhin. So auch der Beschluss vom 21. Januar 2012 der Leitung der evangelisch-lutherischen Kirche Sachsen vom vergangenen Wochenende. Darin wird homosexuellen Pfarrern und Pfarrerinnen erlaubt mit Lebenspartner im Pfarrhaus zu wohnen, allerdings nur, wenn der Kirchenvorstand einverstanden ist.

Welche Kirchenvorstände werden in Sachsen zustimmen? Vielleicht geht das in Leipzig oder Dresden, aber im Erzgebirge oder im Zittauer Gebirge sieht das anders aus. Dort haben sehr konservative und evangelikale Strömungen das Zepter in der Hand und beten sogar gegen Homosexuelle im Pfarrhaus.

Die Kirchenleitung Sachsen schreibt, mit dieser Entscheidung sollen die „Regeln im Umgang mit homosexueller Prägung von Amtsträgern und Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst“ zwar so fortgeschrieben werden, dass ihnen das Zusammenleben mit ihren gleichgeschlechtlichen Partnern im Pfarrhaus gestattet ist. Das gilt allerdings nur, wenn sie in einer Eingetragenen Partnerschaft leben und die einmütige Zustimmung des Kirchenvorstandes vorliegt. Gleichzeitig bekräftigt die Kirchenleitung „die bleibende Bedeutung der biblischen Ordnung von Ehe und Familie als Leitbild des Zusammenlebens von Mann und Frau“.

Der Beschluss ist kein Fortschritt, sondern ein fauler Kompromiss. Der LSVD Sachsen vermutet, dass sich die Mehrheit der Vernünftigen davor scheut, sich mit der lautstarken Minderheit homophober Fundamentalisten anzulegen. Der Beschluss soll Toleranz signalisieren, er ändert aber nichts an der Lebensrealität homosexueller Pfarrerinnen und Pfarrer. Diese sind weiterhin abhängig von der Gnade ihres Kirchenvorstands.

Und was soll die scheinheilige Bezugnahme auf die Eingetragene Lebenspartnerschaft? Hier wird ja gerade so getan, als erkenne die Landeskirche Eingetragene Lebenspartnerschaften an. Tatsächlich aber verweigern die Gemeinden den Paaren weiterhin ihren Segen. Wir fordern den Landesbischof Jochen Bohl auf, diesen Widerspruch aufzulösen.

Sächsische Evangelische tun sich schwer mit Homosexualität: Im Vorfeld traten die zutiefst konträren Auffassungen zu Tage. So sprachen sich mit dem offenen Brief „Auch unter Christen – Liebe zum gleichen Geschlecht“ des Kirchenbezirks Leipziger Land 124 Pfarrerinnen und Pfarrer dafür aus, dass allen die Möglichkeit einer eingetragenen Lebenspartnerschaft offensteht und niemand die eigene Sexualität verstecken muss. Zugleich wünschen sie sich, „dass unsere Kirche homosexuelle Paare in eingetragener Lebenspartnerschaft ausdrücklich einlädt, für ihr gemeinsames Leben den Segen Gottes zu erbitten und dass eine entsprechende liturgische Ordnung erarbeitet und eingeführt wird“. Darüber hinaus erinnern sie an den historischen Umgang der Kirche mit Homosexuellen, der „nicht unwesentlich eine Schuldgeschichte ist“ und bislang nur zögerlich aufgearbeitet wurde. Sie reagierten damit auf die sogenannte „Markersbacher Erklärung“, mit der cirka 128 Kirchenvorstände und damit rund ein Sechstel aller sächsischen Gemeinden das Festhalten an der ursprünglichen Regelung gefordert hatten und den Verlust ihrer „geistigen Heimat“ befürchteten. Nach dem Beschluss haben sie ihren Unterstützungsaufruf bis zur Frühjahrssynode 2012 verlängert.

Landesbischof Jochen Bohl sagte gegenüber Medien, er hoffe, dass dieser Beschluss von „den Christinnen und Christen in den Kirchgemeinden unserer Landeskirche (…) mitgetragen wird“ und so die Einheit der Landeskirche gesichert ist. Wenn er sich da mal nicht täuscht.

Tom Haus

LSVD Sachsen & LSVD-Stammtisch Chemnitz

 

Do, 26. Januar 2012

 

  

 

Foto: dapd
Kritik an Landeskirchen-Beschluss zu Homosexuellen
Lesben- und Schwulenverband nennt Entscheidung "faulen Kompromiss"
Leipzig (dapd-lsc). Der Beschluss der evangelischen Kirche Sachsens zum Umgang mit Homosexuellen stößt auf Kritik. "Das ist kein Fortschritt, sondern ein fauler Kompromiss", sagte der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands Sachsen (LSVD), Hartmut Rus, am Dienstag der Nachrichtenagentur dapd. Damit würde nur eine "schon lange inoffizielle, heimliche Lösung offiziell gemacht", die für homosexuelle Pfarrer kaum etwas ändere.
Am Wochenende hatte die Leitung der evangelisch-lutherischen Landeskirche beschlossen, dass homosexuelle Pfarrer künftig mit ihrem Partner im Pfarrhaus leben dürfen. Voraussetzung ist aber, dass der Kirchenvorstand der jeweiligen Gemeinde zustimmt und der Pfarrer mit seinem Partner bereits in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebt.
Rus kritisierte, der Kompromiss messe mit zweierlei Maß und betone eine "heterosexuelle Leitkultur". So erkenne die Landeskirche mit dem Kompromiss zwar bürokratisch das Konstrukt der eingetragenen Lebenspartnerschaft an, verbiete aber weiterhin die öffentliche Segnung und Verheiratung Homosexueller. Diesen Widerspruch, dass homosexuelle Pfarrer zwar rechtlich im Pfarrhaus leben dürften, aber nicht den Segen ihrer Kirche hätten, müsse Landesbischof Jochen Bohl sofort auflösen, forderte er.
Dessen Kompromiss sei "schwammig, weil er sich nicht anlegen wollte mit der lautstarken Minderheit homophober Fundamentalisten in der Landeskirche", sagte Rus weiter.
Im Vorjahr hatte die Evangelische Kirche Deutschland im Pfarrdienstgesetz festgeschrieben, dass Pfarrhäuser auch für homosexuelle Partnerschaften geöffnet werden sollen. Über die Umsetzung dieses Gesetzes kann jede Landeskirche selbst entscheiden. Im Vorfeld der nun getroffenen Entscheidung hatten 121 der 776 sächsischen Kirchengemeinden die Öffnung als "unbiblisch" kritisiert und mit der Spaltung der Landeskirche gedroht.
dapd
 
erschienen am 24.01.2012
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Homosexuellen-Verband begrüßt Urteil zu Bischofswerda-Wahl

LSVD-Sprecher: Sexuelle Orientierung sollte Privatsache sein

Bischofswerda (dapd-lsc). Der Lesben- und Schwulenverband Sachsen (LSVD) hat die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts zur Bürgermeisterwahl in Bischofswerda begrüßt. "Das waren unlautere Mittel der Diskriminierung", sagte LSVD-Sprecher Tom Haus am Mittwoch der Nachrichtenagentur dapd. Die sexuelle Orientierung sollte Privatsache sein. Der Fall zeige, dass es in Sachsen noch viel gegen Diskriminierung zu tun gebe.

Das Oberverwaltungsgericht Bautzen hatte am Dienstag die Oberbürgermeisterwahl vom Februar 2010 für ungültig erklärt und dies mit gesetzwidriger Wahlbeeinflussung begründet. Vor der Wahl waren Flugblätter aufgetaucht, in denen der Herausforderer des langjährigen CDU-Bürgermeisters Andreas Erler, der SPD-Politiker Jens Krauße, als homosexuell bezeichnet worden war.

Ziel der Aktion war es nach Überzeugung des Gerichts, "Wähler mit Vorbehalten gegen Homosexualität zu veranlassen, den Gegenkandidaten nicht zu wählen". Krauße ist seit 2001 Bürgermeister der Gemeinde Großharthau, verheiratet und Vater eines Sohnes.

CDU-Mann Erler wurde bei der Wahl knapp bestätigt. Das Gericht stellte fest, angesichts des knappen Wahlausgangs sei es ohne weiteres möglich gewesen, dass ohne die unzulässige Wahlbeeinflussung der Gegenkandidat gewählt worden wäre. Bereits bei einer ersten Wahl im Jahr 2008 hatte ein Gericht eine unzulässige Wahlbeeinflussung festgestellt. Erler hatte damals angekündigt, bei seiner Wiederwahl "für jede erhaltene Stimme einen Euro für die Vereine unserer Stadt" zu spenden.

dapd

 
erschienen am 07.12.2011

 

Pressemitteilung vom 14.11.2011

Etappensieg für die Gleichstellung von LGBTI in Sachsen – langjährige Strategie des LSVD zeigt Erfolge!

als PDF
Das sächsische "Landesamt für Finanzen und Steuern" in Dresden gewährt inzwischen verpartnerten Beamtinnen und Beamten den Familienzuschlag der Stufe 1, wenn Sie einen entsprechenden Antrag stellen.  

Dazu erklärt Tom Haus, Sprecher des LSVD-Sachsen:

Das Landesamt hat offenbar vom sächsischen Finanzministerium eine entsprechende Weisung erhalten. Diese Neuerungen wurden dem LSVD Sachsen vor Monaten in einem Brief seitens des sächsischen Finanzministeriums angekündigt.

Dies ist ein wichtiger Etappensieg für die Gleichstellung von Lesben und Schwulen im öffentlichen Dienst in Sachsen. Die langfristige Strategie des LSVD in Sachsen, betroffene Landesbedienstete zur Klage zu ermutigen und sie auf diesem Weg zu begleiten, hat sich bezahlt gemacht. Diese Klagen haben die Politik unter Zugzwang gesetzt, die Diskriminierungen im Dienstrecht zurückzufahren. Leider geschieht dies nicht rückwirkend bis zum Jahre 2003. Da haken wir aber noch nach.

Dieses Beispiel zeigt uns, dass Ausdauer und Mut der Betroffenen sich langfristig auch finanziell auszahlen. Der LSVD bedankt sich an dieser Stelle bei Klagenden, die diesen Erfolg erst ermöglichten. Wir freuen uns über jegliche Initiativen, die sich ebenfalls für die Gleichstellung von LGBTI in Sachsen einsetzen.

Nur gemeinsam sind wir stark!

Weitere Informationen finden Sie unter: www.lsvd.de/230.0.html (Abschnitt  9.)

Die Gleichstellungsgesetze finden Sie hier: www.lsvd.de/423.0.html

Übersicht über die Gleichstellung im Beamtenrecht: www.lsvd.de/194.0.html

 

CSD Veranstaltungen in Sachsen

Treffen und diskutieren Sie mit uns!

Auch 2011 sind wir mit Ständen bei den sächsischen CSDs vertreten. Hier kann wieder mit uns persönlicher Kontakt aufgenommen werden.

09.07.2011 Sa 15:00 CSD Leipzig Straßenfest auf Nikolaikirchhof

Weitere Infos für :

Leipzig

 

Interview mit LSVD Sachsen in bundesweiter Radio-Sendung

»Wosch. Die ENERGY Abendschau« 06.06.2011

http://www.energy.de/on-air/wosch-energy-abendschau/

Bundesweites Interview mit Hartmut Rus zum Thema Homo-Homöopathie und die abstrusen Empfehlungen des Bundes katholischer Ärzte sowie einzelner Fachverbände des diakonischen Werkes der EKD zur Umpolung Homosexueller.

MP3: http://www.mission-aufklaerung.de/fileadmin/dateien/MP3/Interview_Hartmut_Rus.mp3

Mehr Infos auf www.mission-aufklaerung.de

 

 

Pressemitteilung zum Rainbowflash 2011 in Sachsen

 

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie und Transphobie setzten am 17. Mai 2011 über 400 Menschen auf dem Theaterplatz in Dresden, auf dem Nikolaikirchhof in Leipzig und dem Rathausplatz in Chemnitz ein starkes Zeichen gegen Gewalt und Vorurteile gegenüber Lesben, Schwulen, bi-, inter- und transsexuellen Menschen.

 

Beim RAINBOWFLASH stiegen in Sachsen  rund 700 bunte Luftballons mit kleinen Nachrichten gegen Homophobie in den Himmel.

 

Noch immer mangelt es auch in Sachsen im Alltag häufig an Toleranz und Akzeptanz gegenüber homo- und bisexuellen Menschen. Der Kampf dagegen erfordert viel Kraft - und kann nur gelingen, wenn sich homo- und heterosexuelle Menschen gemeinsam dafür im Alltag einsetzen - im Sportverein, in den Schulen, in den Kirchen,  im Berufsleben und in der Familie. Sachsen ist in punkto Antidiskriminierungspolitik mittlerweile Schlusslicht in Deutschland, selbst Bayern ist schon weiter. Um der Homophobie den Nährboden zu entziehen, muss das Verständnis für unterschiedliche sexuelle Identitäten bereits bei Kindern und Jugendlichen geweckt werden. Nur so wird verhindert, dass sie später Homo-, Bi-, oder Transsexuelle als fremd und andersartig empfinden.

 

Der RAINBOWFLASH ist auch ein Zeichen der Verbundenheit mit den Menschen in den über 70 Ländern, in denen Homosexualität noch immer strafbar ist. In sieben Ländern werden homosexuelle Handlungen sogar mit der Todesstrafe belegt. Auch deswegen findet die Aktion insgesamt in weit über 60 Städten auf der Welt statt - von Novosibirsk bis New York, von Paris bis Wladivostok, von Peking bis Murmansk. Und eben in Chemnitz, Dresden und Leipzig!

 

Der Rainbowflash 2011 in Sachsen wurde in Zusammenarbeit vieler Partner und öffentlicher Träger organisiert.

Koordination:

Lesben-und Schwulenverband - Landesverband Sachsen (LSVD Sachsen) www.sachsen.lsvd.de

different people e.V. Chemnitz  www.different-people.de

Rosalinde e.V. Leipzig www.rosalinde.de

Gerede e.V. Dresden  www.gerede-dresden.de

Aidshilfe Chemnitz www.chemnitz.aidshilfe.de

 

 

 

 

 

 

 

als weitere Unterstützer:

Stadt Chemnitz

Die Linke

Bündnis 90´/Die Grünen

SPD und Schwusos

RAA Sachsen

u.v.a.

 

Bilder und Videos aus Sachsen:

 

http://www.lattemio.de/stories/rainbowflash-und-kiss-in-da-staunt-der-leipziger/#more-2140

http://www.facebook.com/home.php?sk=group_193608040681847

http://www.dresden-fernsehen.de/default.aspx?ID=12209&showNews=968348&newVideo=0

http://www.dresdeneins.tv/nachrichten/RainbowFlash-1016.html

http://www.youtube.com/watch?v=Utw14EcmaJU

http://www.gegen-homophobie.blogspot.com/


 


 


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